40 Jahre und immer in Bewegung

Erschienen im Mai 2006, anlässlich des 40sten Jubiläums des Fußballclubs »Rot-Weiß Erfurt« / Autorenkollektiv

Leseprobe
Ein Blumenstrauß für Rot-Weiß - Gero von Würschnitz

Es ist bitterkalt an diesem 26. Januar 2006. Hoffentlich erfrieren mir die Blumen nicht auf dem Weg ins Stadion. Ich habe extra die frühen Nachmittagsstunden gewählt. Sie werden sicher ein bisschen feiern! Das Tor ist verschlossen. Nirgendwo brennt Licht. Den Strauß aus weißen und roten Nelken lege ich direkt vor das große Tor am Haupteingang. Und schaue durch die grauen Gitterstäbe des Tores.
Plötzlich füllt sich der Platz zwischen Steinhaus und Stadioneingang mit Erinnerungen. Da steht noch die alte Holztribüne, und vor dem großen Tor steht „Botte“. Wie heißt er eigentlich mit bürgerlichem Namen? Mit Sitzkissen unter dem Arm regelt er den Einlass. Am Steinhaus steht wieder die Losung: „Auch wir wollen so fleißig spielen, wie die Werktätigen unseres Bezirkes arbeiten.“
In Erwartung des Spiels steht Wolfgang Hempel im Kreise seiner Journalistenkollegen. Daneben die Ehrenmitglieder Kurt Brendel, die „Krumme Hose“ und Hans Rüger. Noch gibt es keinen VIP-Raum. Sie müssen hier in Erinnerungen schwelgen. Jochen Warz, einen Aktenkoffer unter dem Arm, sucht Gesprächspartner. Das Tor öffnet sich. Dieter Köllmann fährt auf den Hof. In Hausschuhen lädt er Wäsche ein und Wäsche aus. „Sakko“ hilft ihm. Werner Günther ist mit Köllmann gekommen. Der „Rhönadler“ stützt sich – das Laufen ist viel schlechter geworden – auf seinen Stock mit dem silbernen Knauf.
Günter Groß tritt aus der Tür des Steinhauses, schaut über die Menge, verschwindet wieder. Klaus Neumann geht mit allen Nachwendepräsidenten über den Platz. Sie tragen Narrenkappen. Jetzt kommt K.-H. Friedrich. Er ist das erste Mal mit seinem weißen Peugeot im Stadion. Seine Frau trägt einen überdimensionalen Hut. Günter Bach steuert auf „Guggi“ Schmidt zu. „Eddy“ Francke lehnt an seinem roten Toyota-Cabriolet. Jochen Kleinschmidt nickt aufmunternd Frank Engel zu.
Alles dreht sich um, die Spieler kommen aus dem Steinhaus. Vornweg Manfred Pfeifer, es folgen Benkert, Heun und Busse … Klaus Goldbach diskutiert mit den Schiedsrichtern Peschel, Stumpf, Roßner und Purz. Sänger kommt mit Thomas Eßbach. Heinz Motter reicht „Siggi“ Kirschen eine Thermoskanne.
Der „Elegante“, Bäßler und Schwendler unterbrechen ihre Diskussion nicht. Wenige Volkspolizisten! Die heute in Zivil sind, sind uns gut bekannt. Gottfried Grünzig sucht einen Spieler, er bringt ihm die Fahrerlaubnis zurück. Siegmar Menz huscht vorbei. Dr. Rudi Arnrich steht noch einen Moment bei Herbert Kroker. Tapert schafft Ordnung im „Ikarus“. Hans Meyer kommt als Letzter aus dem Steinhaus. Manfred Fromm fotografiert das alles.
Alle Präsidenten, Sponsoren und Freunde des Clubs sind im „Mehlkasten“ verschwunden. Heun schießt das 2:1 gegen den BFC. Die Tribüne hallt wider vom Trampeln. Riesa geht als Sieger vom Platz. Im Stadion: „Meier – raus“-Rufe und „Rot-Weiß!“ … „Rot-Weiß!“ …
… der Platz liegt wieder öd und leer vor mir, Eiseskälte. Die Mannschaft kommt vom Steigerlauf zurück. Ich rufe ihnen zu: „Herzlichen Glückwunsch zum 40.“ Die meisten wollen schnell ins Haus, hören es schon nicht mehr, und andere können mich nicht verstehen. „Na, dann bis zum 05.02.2006 gegen den Hamburger SV II und viel Glück für die nächsten 40 Jahre.“

"Der erste Podgorny und ich"